Im Rahmen einer Hilfsaktion reisten wir mit einer kleinen Gruppe auf den Hinterhof Europas: Bihac in Bosnien-Herzegowina. Das Ziel der Reise: Einen Unterschied vor Ort zu machen, Fakten zu sammeln und uns einmal mehr mit dem Thema „Grenzen“ auseinander zusetzen. Hier folgen unsere Tagesberichte:

Sonntag & Montag

Diese Tage nutzten wir zur gemeinsamen Vorbereitung in Zürich und der Anreise nach Bosnien. In Zürich sortierten wir gespendetes Material und lernten uns gegenseitig kennen. Die Reise mit dem Auto führte uns mit einer 12 stündigen Fahrt via Italien nach Bosnien.

Andi & Vesna sortieren das Material im Keller in Zürich.

Dienstag – die Asche in Lipa

Das Camp Lipa nahe der Stadt Bihać wurde im Dezember in unseren Medien zu einem weiteren Symbol der momentanen humanitären Krise, die Migrant*innen an den EU-Aussengrenzen erfahren müssen. Wir haben dieses am Dienstag besucht. Oder zumindest dessen Überreste.

Ende Dezember 2020 wurde das Camp geschlossen, es war nicht winterfest und die Zustände nicht human. Ca. 1300 Geflüchtete waren von einem auf den anderen Tag wieder ohne Zufluchtsort. Das verlassene Camp hat bei uns allen ein grosses Fragezeichen hinterlassen.

Im Hintergrund das verlassene Camp in Lipa.

Es ist ein Symbol für einen Schimmer von Hoffnung und Menschlichkeit, ein kurzes Feuer, dass nun wieder erloschen ist. Wir sind gespannt, auf welche Geschichten oder vielleicht sogar Antworten wir in den nächsten Tagen stossen werden.

Mittwoch – die Begegnung vor dem Supermarkt

Nach zwei Tagen mit langen Fahrzeiten, verzichteten wir an diesem Tag auf einen fahrbaren Untersatz und wollten Menschen vor Ort auf der Strasse begegnen.

Hoffnung ist oft das Einzige was den Menschen vor Ort bleibt.

Vor dem örtlichen Supermarkt trafen wir eine Gruppe von jungen Männern aus dem nahen Osten. Tagsüber verdienen sie sich ein paar Mark mit dem Wegräumen von Einkaufswagen. Im Geschäft sind sie nicht erwünscht und harren deshalb in der Kälte aus.

Allen Mut zusammen genommen, sprachen wir die Gruppe an, kommen mit ihnen ins Gespräch und erfahren ihre Geschichte. Gemeinsam mit anderen leben sie in einer Fabrikhalle, organisieren sich in kleinen Kommunen und wissen nicht, wo sie ihr Weg in den nächsten Wochen hinführt.

Was uns in diesem Moment unglaublich berührte, war die Offenheit und Herzlichkeit die wir in diesem Moment spürten. Es war, wie wenn wir mit Kollegen sprechen.

Donnerstag – zu Gast in der Fabrikhalle

Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg zu einer leerstehenden Lagerhalle gemacht, die ein neues Zuhause für rund 200 Migrant:innen geworden ist. Eine Gruppe von ca. 10 Migranten hat uns einen Einblick in ihren momentanen Lebensraum gewährt und ist uns dort sehr gastfreundlich begegnet.

Fabrikhallen, welche als provisorische Unterkünfte dienen von innen.

Sie waren sehr neugierig auch wer wir sind und was wir machen. Unser Interesse an ihnen als Person hat sie sehr gefreut. Sie haben uns offen von sich, ihrer Vergangenheit und ihren Träumen erzählt. Dieser kurze Austausch auf Augenhöhe hat uns ein wenig in ihre Welt eintauchen lassen und uns gezeigt, wo Unterstützung wertvoll wäre.

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